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TREIDELPFAD BINAU (Geopunkt)

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Beschreibung:

Treidelpfad Binau (Geopunkt)
Von Schiffsziehern und Halfreitern


„Zieh´ Leine!“ – Dieser Ruf war am Neckar bis ins 19. Jahrhundert wohl häufig hinein zu hören. Doch es war nicht etwa, wie es die heutige Redewendung nahe legt, eine harsche Aufforderung zu verschwinden. Es war das Kommando der Schiffs- oder Leinenzieher, der Treidler, der Bomätscher oder Karcher, wie sie regional unterschiedlich genannt wurden. Jener Männer und manchmal auch Frauen also, die kleine Güterschiffe und Nachen mit einem rhythmischen „hibei – hobei, hibei – hobei“ den Neckarstrom hinauf zogen.


Das war harte Arbeit! Der Neckar war damals noch ein wilder Gebirgsfluss. Je nach Wasserführung mussten die Schiffszieher sich kräftig, stellenweise sogar auf allen Vieren, ins Zeug legen, um Stromschnellen zu überwinden. Für ihren schweißtreibenden Weg waren Treidel- oder Leinpfade direkt am Flussufer angelegt. An langen Leinen zogen sie die Schiffe neckaraufwärts. Flussabwärts wurden sie nicht gebraucht, da reichte die Strömung oder die Nachen setzten ein Segel.


Meist hingen Menschen in den Schleppseilen – oft ausgezehrt und verschlissen, billige Arbeitskräfte ihrer Zeit. Vier Mann hatten ein Pferd zu ersetzen. Im ausgehenden 18. Jahrhundert kamen mehr und mehr Pferde- und Ochsengespanne auf den Leinpfaden zum Einsatz. Die Schiffsreiterei entstand, die so genannten Halfreiter waren jetzt mit ihrem „Holla ho“ auf den Treidelwegen unterwegs.


Anlage und Instandhaltung von Leinpfaden waren unabdingbare Voraussetzung für die Treidelschifffahrt. Besonders als größere Pferdegespanne zum Einsatz kamen, mussten die etwa 1,50 m breiten Treidelwege gut befestigt werden. Hochwasser, Eisgänge und Uferabbrüche erforderten erheblichen Aufwand. Über die Zuständigkeiten wurde stets gestritten und nicht selten waren die Pfade auch unpassierbar.


Ein Eberbacher Steinbruchbesitzer etwa ließ den Abraum vom Kranichsberg einfach auf dem Leinpfad liegen, heißt es im Januar 1840, so dass die Halfreiter nicht mehr vorankamen. Nicht selten wurde auch prozessiert, wenn Äcker und Wiesen beschädigt wurden, weil die Schiffsreiter neben die Leinpfade ausgewichen waren. So ist im Juli 1825 ein Nachenreiter Betz beurkundet, „welcher vor kurzem bei Binau bestraft worden (sei), weil ein Pferd nur einen Schritt neben den Leinpfad auf schlechten Boden trat“.


Mitunter mussten die Halfreiter auch mehrfach die Uferseiten wechseln. Die einzige Skizze, die über den Leinpfad im Neckartal erhalten ist, stammt aus Binau (siehe Abbildung)! Die Aufschrift der Kartenskizze lautet wie folgt: „Grundriss über den Leinpfad welcher durch die ganze Neckar-Binauer Gemarckung längst dem Neckar Strom läuft“. Die Karte sollte das Gelände veranschaulichen, wo die Halfreiter aufgrund des durch Holzeinschlag im Binauer Wald zerstörten Treidelpfads gleich zwei Mal gezwungen waren, die Uferseite zu wechseln.


Die 1841 einsetzende Personendampfschifffahrt wirkte sich auf das Gewerbe der Halfreiter, das vor allem für den Gütertransport flussaufwärts zuständig war, noch wenig aus. Mit der 1878 beginnenden Kettenschleppschifffahrt aber spielte die Schiffsreiterei dann keine Rolle mehr am Neckar. Die alten Treidelpfade sind heute oft noch erhalten und werden – nicht mehr ganz so schweißtreibend wie seinerzeit bei den Treidlern – als Rad- und Spazierwege genutzt, so wie hier an der Binauer Neckarschleife.


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Autor / Copyright: Michael Hahl - proreg

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